Schnittplatz

Am Schnittplatz

Wenn die Dreharbeiten abgedreht sind, hält der Kunde einen Film gemeinhin für fertig. Doch das Gegenteil ist richtig. Filmmontage ist ein sehr zeitaufwendiges Handwerk. Ein etwa 90- bis 120-minütiger Kinofilm benötigt im Durchschnitt allein drei bis fünf Monate für den reinen Bildschnitt. Sobald die Auswahl der Bilder, Timing, Tempo und die filmische Kontinuität stimmig scheint, ist der Film erfolgreich geschnitten worden. Der Schnitt führt das Auge oder hindert uns daran, etwas zu sehen. Video schneiden und bearbeiten und die Montage von Filmen ist nicht nur Handwerk und Befolgen von Regeln, sondern besitzt zusätzlich das Potenzial einer Kunst.

«Im Schneideraum schreibt man die letzte Fassung des Films.»

Nur ein Bruchteil des gedrehten Materials wird auch später im fertigen Film ersichtlich sein. Je nach Genre sind bis zu 20 Stunden Material notwendig für einen 60-minütigen Spielfilm. Dabei werden pro Tag effektiv nur wenige Minuten gedreht. Weitere Informationen zur Vorproduktion und Drehablauf findest Du im Beitrag «Hinter den Kulissen».

Studio

Zuerst wird das Material von den Kameras auf die Festplatte kopiert. Bei qualitativ hochauflösenden Bildern mit einem geringen Komprimierungsfaktor können dabei über 90 Gigabyte an Daten pro Stunden entstehen. Oftmals besteht eine solche Datenmenge aus unzähligen Einstellungen und einzelnen Aufnahmen. Deshalb muss das Material zuerst im Schnittprogramm gesichtet werden, nachdem es in die richtige Ordnerstruktur kopiert wurde. Im Anschluss werden die unbrauchbaren Takes ausgemustert und eine erste Anordnung in einer Szenenfolge durchgeführt.

«Ein Großteil der Schnitte in modernen Filmen sind Unsichtbare Schnitte. Für solche Schnitte ist es notwendig, den perfekten Moment für das Umschneiden zu finden, damit der Schnitt dem Zuschauer nicht mehr auffällt.»

Nach dem Rohschnitt folgt der Feinschnitt, auch Mikromontage genannt. Dabei wird jeder Übergang zwischen den Einstellungen genau geprüft. Auch Tempo und Rhythmus des Filmes wird endgültig festgelegt.

Die Arbeit am Feinschnitt erfordert vom Editor, dass er gleichzeitig exakt jedes einzelne Bild betrachtet, jeden Schnitt immer und immer wieder durchleuchtet und dennoch genug Abstand bewahrt, um den Blick des Zuschauers – dem viele Dinge auch entgehen und dem es um einen runden Gesamteindruck geht – nicht aus den Augen verliert.

Und wer denkt, nach dem Schnitt sei der Film fertig, irrt sich. Denn jetzt folgt die Farbkorrektur, das ganze Sound Design, wobei passende Klänge gezielt platziert werden und das Ausspielen des Filmes in diversen Formate.